29. April 2015

Kreativmenschen: Michel Gilgen

Kreativmenschen

Wenn Michel Gilgen das perfekte Foto machen würde, würde er sofort mit dem Fotografieren aufhören. Am Genuss Film Festival in Zug kann man seine perfekt imperfekten Fotos also zumindest vorläufig noch bewundern. Anlässlich des photo15-Showcases zum Thema «Essen, Trinken, Genuss» beantwortet der Zuger Fotograf unserem Online-Magazin BLOFELDER ein paar Fragen zu seiner Disziplin.


Mein liebster Fotograf?
Da gibt es so viele! Und ich bin ja ein bekennender Fan, also habe ich Idole und Lieblinge, die kommen und gehen - und manche bleiben. Aber weil alles hübscher ist mit Namen, hier einige aus dem Füllhorn: Bill Henson, Antoine D’Agatat, Masao Yamamoto, Saul Leiter, Todd Hido, Keizo Katajiama, Daido Morjiama, Martha Cooper, Helen Levitt.

Das beste Foto der Welt?
Gibt es nicht! Wer will das schon beurteilen? Es gibt zweifelsohne tolle Arbeiten aber schlussendlich ist es ja auch eine Frage des Geschmacks. Man könnte jedoch etwas überspitzt sagen, das beste Foto der Welt war das allererste Foto der Welt. Jenes nämlich von Joseph Nicéphore Niépce, weil es der Ursprung aller Fotografien ist.

Das liebe ich an meinem Beruf?
Fotografieren ist eine wunderbare Entschuldigung um sinnvoll Zeit zu vertrödeln.

So arbeite ich am liebsten?
Unabhängig und mit Freunden, unterwegs, in der Nacht und euphorisiert.

Das liebe ich an der Schweiz?
Meine Freunde, die hier leben, und die Nähe zum Ausland.

Das fotografische Wahrzeichen der Schweiz?
Vielleicht der Bundesrat?

Populäre Fotografie – was hältst du davon?
Zwischen Genie und Wahnsinn ist da alles. Tatsache ist: es gab noch nie so viele gute Fotografen wie heute. Und auch schlechte. Aber falls sich die Frage auf die Popularität der Fotografie bezieht, naja, manchmal fragt man sich schon, weshalb genau man eigentlich seinen Beitrag zu dieser undurchdringbaren Bildschwemme beizusteuern versucht.

Wie macht man das perfekte Foto?
Das weiss ich nicht, ich hab’s bisher noch nicht gemacht. Wäre dem so, würde ich wohl sofort mit dem Fotografieren aufhören. Oder aber einen Ratgeber darüber schreiben und viel Geld damit verdienen. Aber ich strebe schliesslich auch nicht nach Perfektion, weil sind wir mal ehrlich, Perfektion kann auch furchtbar langweilig sein.

Wen, was oder wo willst unbedingt einmal fotografieren?
Alles was mich berührt und bewegt, Orte, die mich inspirieren, Menschen, die mir gefallen, Licht, das mich atemlos macht und Geschichten, die es sich zu zeigen lohnt. Aber oft ist es so: Gehe ich nach rechts, möchte ich das Gesehene dort fotografieren, gehe ich aber nach links, weiss ich nicht, was ich gesehen hätte, wäre ich rechts abgebogen.

Diese Motive langweilen mich?
Stockfotografie, überblitzte und «lustige» Portraits, Bilder, die aus einer rein technischen Perfektion bestehen und Effekthascherei mit Photoshop.
Ich war in New York an der allseits gebenedeiten Ausstellung von Sebastian Salgado zu seinem furchtbar kitschigen Epos «Genesis», und habe mich schrecklich gelangweilt.

Ausrüstung: Mein absolutes Must Have?
Die beste Kamera ist die, die man dabei hat.

Die beste Foto-App?
Vielleicht die Möglichkeit überhaupt, mit einem Telefon fotografieren zu können, was obige Antwort unterstreicht.

Schenk uns eine kreative Lebensweisheit!
So eine hätte ich auch gern. Ich würde sagen, man sollte die Dinge, die man macht, aus Leidenschaft, und nicht aus Geltungsdrang oder wegen dem Geld machen. Interesse, Neugierde, und Respekt sind zusätzlich gute Antriebe, und man soll den Zufall als liebevollen Helfer anerkennen.































 
www.michelgilgen.ch